25th Oktober 2016

Auf Entdeckungstour in Kantabrien

Über viele Jahre hinweg hatte ich von Spanien ein sehr konkretes Bild im Kopf. Ein Bild, das meinen eigenen Eindrücken entsprach, die ich bei diversen Reisen gesammelt hatte. Es war das Bild eines sonnengeküssten Landes mit langen Sandstränden und ausgedörrten Landschaften. Natürlich bekam ich bei meinen Reisen auch immer mal wieder Ausnahmen zu sehen, die eine saftig grüne Natur präsentierten, aber wenn ich ehrlich bin, dann waren das doch eher die Ausnahmen. Dass Spanien nicht gleich Spanien ist, sondern auch ganz anders kann, das lernte ich kürzlich auf einem Trip nach Kantabrien. Der Norden des Landes war bis zu dem Zeitpunkt ein weißer Fleck für mich. Dass er durch viel Grün, raue Küsten, Traumstrände und Gebirge geprägt ist hatte ich im Vorfeld natürlich gelesen, nichtsdestotrotz war ich letztendlich völlig überrascht zu sehen, was für eine prachtvolle Natur der Norden von Spanien tatsächlich in petto hat.

Kantabrien – Santander als Ausgangspunkt

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Dreh- und Angelpunkt für einen Entdeckungstrip durch Kantabrien ist die Stadt Santander. Eine privilegierte Lage in einer Bucht, unzählige Strände und eine atemberaubende Felsenküste. Das ist das, was Santander auf den ersten Blick auszeichnet. Durch sein angenehmes Klima, das auch im Sommer nicht zu heiß wird, ist Santander vor allem bei spanischen Touristen sehr beliebt. Was du nicht verpassen darfst: Ein Spaziergang durch die Altstadt, die in den 1940er Jahren fast komplett abgebrannt ist und neu aufgebaut werden musste. Abends verwandelt sich die Staraße Río de la Pila in eine Vergnügungsmeile, auf der immer was los. Hier erwarten dich Restaurants, Bars und ganz viel spanische Atmosphäre. Nicht weit von der Altstadt befindet sich der Hafen, wo Du eine Fähre nach La Pedreña nehmen kannst. Das ist die Halbinsel innerhalb der Bucht von Santander.

Kantabrien – Parque de la Naturaleza de Cabárzeno

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Der kleine Ort Cabárzeno liegt etwa 17 Kilometer von Santander entfernt und beherbergt einen großen Tierpark, der sich auf dem Gelände einer ehemaligen Eisenmine befindet. Der Parque de la Naturaleza de Cabárzeno ist kein Zoo im klassischen Sinne. Die Tiere leben durch die Größe des Parks in einer sogenannten „Halbfreiheit“. Das Gelände ist geprägt durch seine Karstlandschaft und durch rotes Gestein, das auf die Nutzung als Eisenmine zurückgeht. Dadurch entsteht eine etwas skurrile Naturumgebung. Der Park verfügt über Schluchten, Seen und Wanderwege. Er kann bedingt durch seine Größe auch mit dem Auto befahren werden. Seit Kurzem steht sogar eine Gondel zur Verfügung, mit der man verschiedene Stationen im Park anfahren kann.

Kantabrien – Santillana del Mar

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Santillana del Mar ist eine kleine, pittoreske, mittelalterliche Stadt etwa 30 Kilometer von Santander entfernt. Sie gilt als schönster Ort in Kantabrien und da ist sicherlich etwas dran. Das Zentrum ist für Autos gesperrt, sodass man von einer herrlichen Ruhe umgeben ist, während man durch die gepflasterten kleinen Gassen spaziert und die altertümlichen blumenberankten Häuschen bewundert. Besonders sehenswert ist die Colegiata de Santillana del Mar, eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert

Kantabrien – Höhle von Altamira

 

Südlich von Santillana del Mar liegt die Höhle von Altamira. Sie beherbergt etwa 930 Höhlenmalereien, die 16.000 bis 11.000 vor Christus erstellt worden sind. Bedingt durch den teilweisen Einsturz der Höhle, wurden die Malereien erst im Jahr 1879 entdeckt und anfangs für eine Fälschung gehalten. Erst 23 Jahre später, nachdem in Frankreich ähnliche Malereien gefunden wurden, wurde die Echtheit anerkannt. Die Höhle gehört heute zum UNESCO-Welterbe, darf jedoch von der Öffentlichkeit nicht mehr betreten werden, da die warme Atemluft der Besucher zu Schäden an den Malereien führt. Eine detailgetreue Replik der Höhle kann im benachbarten Museum besichtigt werden.

 

Kantabrien – El Capricho de Gaudí

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Als Architekt hat Antoni Gaudí in Spanien viele Spuren hinterlassen. Unter anderem auch in Kantabrien. Eins seiner ersten Werke befindet sich in Comillas. Im Auftrag von Máximo Díaz de Quijano baute er in dem kleinen kantabrischen Ort ein Sommerlandhaus, das damals, wie auch heute, für viel Aufmerksamkeit sorgte: El Capricho. In dem Ort, der damals eine beliebte Sommerresidenz für den spanischen Adel war, war es nicht ungewöhnlich eine gewisse Wohlhabenheit zur Schau zu stellen. Das war auch das Ziel von El Capricho. Unter der Hand von Gaudí entstand ein einzigartiges, farbenfrohes und phantasievolles Haus, das heute noch zu den Besichtigungs-Highlights von Kantabrien zählt.

Kantabrien – Picos de Europa

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Die Picos de Europa waren landschaftlich gesehen mein Highlight in Kantabrien. Das Gebirge erstreckt sich über Kantabrien, Asturien und Kastillien-Léon. Mit der Gondel Fuente Dé erreicht man eine Aussichtsplattform auf 1823 Meter und hat von dort oben einen atemberaubenden Ausblick auf die Picos de Europa. Dort oben kann man wandern und im Hotel Ávila typisch spanisch zu Mittagessen. Auf dem Rückweg nach Santander (oder auf dem Hinweg zu den Picos de Europa) sollte man zudem noch einen Zwischenstopp im Bergdorf Potes einplanen. Hier die ticken die Uhren noch anders. Kleine Gassen schlängeln sich an den nostalgischen Häuschen entlang. Kleine Geschäfte im Zentrum (denn seien wir mal ehrlich, der Tourismus ist hier schon längst angekommen) und immer im Hintergrund: Ein beeindruckendes Bergpanorama.
Nach diesem Trip steht für mich fest: Kantabrien ist ein kleines Juwel mit zahlreichen Facetten und unbedingt einen Besuch wert.

Fiona Hilliard

Fiona Hilliard

Die Liebe für Kulturen – das ist das, was Reiseautorin Fiona Hilliard aus Dublin antreibt, Städte in Europa und darüber hinaus zu erkunden.

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