31st Oktober 2017

Valencia für Foodies

An Spaniens sonnengeküsster Orangenblütenküste, wo der Turia ins Mittelmeer mündet, begeistert Valencia nicht nur mit sommerlichen Temperaturen, tollen Sandstränden und einer Altstadt mit reichhaltigem Kulturangebot, sondern auch einer aufstrebenden Foodie-Szene.

Die Frage ist: Was essen und wo? Hier haben wir ein paar Tipps für deine kulinarische Entdeckungsreise…

Morgens auf dem Mercat Central

 

Die Bestätigung, dass Valencia seinen Ruf als Gourmetstadt verdient hat: der hiesige Mercat Central ist schließlich der größte überdachte Markt Europas. Seine Art-Déco-Fassade aus majestätischer Keramik beherbergt unglaubliche rund 400 Stände, an denen du die frischesten Produkte aus der Erde und dem Meer bekommen kannst: Saisonales Gemüse, Pilze, geräucherte Fleischspezialitäten, Nüsse, butterweichen iberischen Schinken, rubinrote Garnelen, Seeigel, und kleine quirlige Napfschnecken, die auf dem Eis einen Tanz hinlegen.

Erlebe die „Third Wave“ der Kaffee-Bewegung

 

 

Retrogusto Coffee Mates ist ein klitzekleiner Marktstand auf dem Mercat Central, der Kaffee der nächsten Generation anpreist: kaltes Gebräu, Pour Over und Espresso-Klassiker – alles unbedenklichen Ursprungs und mit unwiderstehlicher Röstung. Kein Zucker notwendig. Mit einem frisch gebackenen Teiggebäck mit cremiger Karamellfüllung (im Spanischen „dulce de leche“) von einem der Süßwarenstände in der Nähe ist das dein perfektes Frühstück.

Die unentbehrliche Tapas-Tour…

 

 

Auf einem kurzen Spaziergang durch die alten Straßen des Barrio del Carmen bekommst du viele kleine, wundervolle Speiselokale zu sehen, darunter bekannte Restaurants wie das La Pilareta, berühmt für seine saftigen Muscheln, La Taverna Marisa, wo du gesunde Tapas und lokale Weine genießen kannst, und Sidrería El Molinón, wo dir Feinschmeckergerichte und Cidre der Gourmet-Götter Asturiens serviert werden.

Tapas mit dem gewissen Etwas

 

 

Für kreativ umgesetzte Feinschmecker-Tapas empfehle ich das Viertel Cánovas, wo du dich an marktfrischen Tapas im MercatBar gütlich tun kannst. Es gehört dem mehrfachen Sternekoch Quique Dacosta – aber keine Sorge, die festen Menüs hier bieten dir ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis und entführen dich auf eine kulinarische Entdeckungsreise. Die Gerichte sind verspielt und umfassen Kreationen wie „Windbeutel“ aus Blätterteig, die beim Reinbeißen vor Geschmäckern wie Parmesan und Bacon nur so sprühen, sowie Meeresalgen mit Sesamsameninfusion und meinen persönlichen Liebling: saftigen geschmorten Ochsenschwanz.

Süße Horchata und leckere Süßwaren auf die Hand

 

Für Zuckermäuler sind die für Valencia so typische Horchata und die zuckerbestäubten Süßwaren genau das Richtige. Horchata erinnert an einen Milkshake, wobei sie allerdings aus Wasser, Zucker und Erdmandeln hergestellt wird, oder „chufas“, wie die Spanier sie nennen. Sie ist süß und cremig, mit einer kreideartigen Glätte, die an einem sonnigen Tag besonders gut erfrischt. In Valencia findest du jede Menge Horchaterías, wobei Einheimische sich jedoch einig sind, dass Santa Catalina die Nummer 1 ist.

Traditioneller, handgemachter Turrón nach valenzianischer Art

Turrón ist eine süße, zähe Nougatmasse aus gerösteten Mandeln und rund um den Globus eine traditionelle Leckerei zur Weihnachtszeit. Diese durch und durch spanische Süßigkeit stammt ursprünglich aus Valencia, und auch heute hat die Stadt noch eine der berühmtesten Turronerías aller Zeiten: Turrones A. Galiana. Hier fertigt ein kleines Team speziell geschulter Kunsthandwerker neben klassischen Torten und verlockenden kandierten Früchten auch scheibenweise Turrón in allen erdenklichen Variationen. Für alle kulturversierten Feinschmecker ist dieses essbare Stück Geschichte ein absolutes Muss.

Paella zum Mittagessen am Strand

 

 

Die Paella kommt tatsächlich aus Valencia und war ursprünglich ein einfaches Gericht für Bauern und Arbeiter, die sich zum Essen um eine große Paella-Pfanne (daher der Name) gesellten. Zu den traditionellen Paella-Rezepten gehörte valenzianischer Reis mit grünen Bohnen, Safran und einer Mischung aus Hühnchen, Kaninchen und/oder Schnecken – und nicht Meeresfrüchten, wie wir es heutzutage für „normal“ halten.

Natürlich findest du heute an jeder Ecke unzählige Bars und Restaurants, die Paella und „Arroz“ (Reisgerichte) anbieten, allerdings ist La Pepica ohne Frage der König der Paella-Pfanne. Das typische Restaurant begeistert mit einer riesigen Sonnenterrasse und seiner idyllischen Lage direkt am Strand. Bestelle hier die klassische Paella nach valenzianischer Art mit Hühnchen, Kaninchen und grünen Bohnen für eine authentische Paella, wie sie in den guten alten Zeiten zubereitet wurde, oder probiere die kultige Spezialität des Hauses, Pepicas Paella mit geschälten Meeresfrüchten.

Klassische Paella für kleines Geld

 

Bei manchen Paella-Gerichten muss man tief in die Tasche greifen. Im El Laboratorio, das sich in zentraler Lage unweit des charmanten Plaza de la Virgen befindet, bekommst du allerdings einen traditionellen Paella-Schmaus, den du noch dazu mit einem toll zubereiteten Cocktail runterspülen kannst – und das alles nur für knapp 10 €.

Ein absolutes Muss: Ein Agua de Valencia als Aperitif

 

In Valencia wachsen Unmengen an süßen und saftigen Orangen – und besonders genießen kann man diese in gepresster Form, und zwar in dem für die Stadt so typischen Getränk: dem Agua de Valencia (Wasser von Valencia). Aber lasse dich vom Namen bloß nicht in die Irre führen: dieses Gebräu hat es mächtig in sich und enthält keinen Tropfen Wasser, sondern dafür jede Menge frisch gepresste valenzianische Orangen, beschwipst mit Cava, Wodka oder auch Gin. Im trendigen Café de las Horas kannst du das Kultgetränk gleich krugweise genießen, während du gleichzeitig den Klängen der Live-Musik lauschen und das theatralische Ambiente aufsaugen kannst.

Ein doppeltes Dinner-Erlebnis der Spitzenklasse

 

 

Wer in einer freundlichen und entspannten Atmosphäre wirklich gehoben essen gehen möchte, und das zu erstaunlich einladenden Preisen, für den ist das Seu Xerea mit seiner mediterran-asiatischen Fusionsküche genau das Richtige. Chefkoch und kulinarischer Visionär Steve Anderson kreiert Gerichte wie Hühnchen- und Erdnuss-Samosas und Makrelen-Namban mit scharfem Joghurt, die vor Können und Kreativität strotzen, während dich seine Schweinerippchen mit Süßkartoffeln, Hoisin, Ananas und Ingwer auf bisher unbekannte kulinarische Höhenflüge bringen.

 

Und dann gibt es da das Sterne-Restaurant Riff. Die Kreation von Bernd H. Knöller, einem phänomenal erfahrenen Fine-Dining-Chefkoch, dem ich einen Tag lang über die Schulter schauen durfte. Das Riff ist der Höhepunkt von Jahrzehnten harter Arbeit und Widmung an die Kochkunst. Das Menü wechselt häufig. „Zu häufig,“ meint Bernd auf unserer Streiftour über den Mercat Central, während wir noch ein paar Zutaten besorgen, bevor das Restaurant seine Türen öffnet.

„Ich bin ein romantischer Koch. Ich komme gerne hierher, um mir die Waren ansehen zu können. Sie verleihen mir Inspiration und geben mir neue Ideen.“ Typisch für das Restaurant sind Geschmäcker wie Reis und zart angebratener Tintenfisch, Seehecht mit weißen Bohnen und Chorizo und Langustinen mit Bio-Tomaten und Dill. Einfach, könnte man meinen, bis man sich dann einen Happen auf der Zunge zergehen lässt und alles einen Sinn ergibt.

 

 

„Der Foodie ist glücklich, wenn das Essen schön aussieht,“ so Bernd. „Für den Gourmet hingegen dreht sich alles um den Geschmack, und welche Gefühle er in einem erweckt.“

Die Craft-Beer-Experten von Valencia

 

Obwohl Barcelona bei der spanischen Craft-Beer-Revolution vielleicht die Nase vorn hat, ist die Szene in Valencia mindestens genauso aufregend. Als Bernd von mir erfuhr, dass ich gerne mehr über die lokalen Craft-Beer-Bars herausfinden wollte, erzählte er mir ununterbrochen von einem italienischen Pärchen, das eine Bar namens La Birreria eröffnet hatte und sich auf italienisches Bier spezialisiert.

„Die beiden importieren ein besonders, unpasteurisiertes Bier aus Italien, was so richtig frisch ist. Ich bin von Qualität, von Spitzenleistung besessen, und die beiden genauso,“ so der Chefkoch auf unserem Weg zu den Barbesitzern.

„Heineken würde ich beispielsweise fünfeinhalb von zehn Sternen geben. Diese Biersorten hier verdienen mindestens neuneinhalb Sterne!“ Aus dem Mund eines Mannes, der mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde und diesen erfolgreich verteidigen konnte, ist das wirklich ein tolles Lob.

Roberto, der Besitzer, zapft uns im Handumdrehen eine Auswahl an verschiedenen Biersorten: vom besonders hopfigen doppelten India Pale Ale über Dunkelbier bis hin zu temperamentvollen Stouts und Weizenbier nach belgischer Art. Die Qualität war wirklich außerordentlich und ich plane bereits, noch einmal wiederzukommen und mehr von dem Angebot zu probieren.

Für den perfekten Abschluss nach einem perfekten Schlemmertag bestelle eine Flasche Saltafoss Belgian Tripel, dem Bernd perfekte zehn Punkte gibt.

„Es schmeckt so gut, dass es fast kein Bier mehr ist. Es sprengt die Grenzen. Es ist unglaublich,“ meint Bernd. Dem stimme ich voll und ganz zu.

Ryanair Staff

Ryanair Staff

Die Mitarbeiter von Ryanair sind Weltenbummler von Beruf, daher kannst du dich getrost auf ihre bewährten Reiseberichte und Tipps verlassen.

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