fuerteventura
14th Dezember 2015

Wellen und Wärme: Surfen auf Fuerteventura

Anscheinend ist dies einer der schlimmsten Winter, die die Insel seit Jahren erlebt hat.Während meiner ersten 24 Stunden auf der Insel haben sich schon drei Menschen praktisch bei mir dafür entschuldigt, trotzdem muss ich mich bemühen, enttäuscht zu sein. Ich komme gerade aus Dublin und es ist Mitte Januar wenn das Wetter nicht schlechter wird als 19⁰C und leicht bewölkt … werde ich mich nicht beschweren, Fuerteventura.

Ich wohne in Corralejo, einer lebhaften Kleinstadt im Norden der Insel. Sie ist einfach und günstig zu erreichen. Es ist nur eine kurze Fahrt vom Flughafen mit dem Bus Nr. 3 bis zum Busbahnhof, und von dort mit der Nummer 6 noch einmal etwa 40 Minuten alles für unter fünf Euro.Wenn du ein Taxi nehmen willst, kostet es rund 45 € nicht schlecht, wenn man sich die Kosten teilt, aber die Fahrt mit dem Bus lohnt sich.

Ich habe diese Geschichte mit dem Überwintern in der Sonne noch nie ausprobiert. Ich habe keine Ahnung warum nicht, denn es ist absolut fantastisch.Man muss niemals seine Socken auf die Heizung legen.Man muss nicht fröstelnd unter der Daunendecke hervorhüpfen und schnell in seine Klamotten schlüpfen in der Hoffnung, so wenig Minustemperaturen wie möglich abzukriegen.Morgens muss nichts von Eis befreit werden, und wenn die Kleidung nass wird, trocknet sie genauso schnell wieder.

Aber das Beste daran?Man kann einfach … draußen sitzen.Einfach nur dort sitzen, mit richtig frischer Luft auf der Haut, einem Kaffee oder einem unverschämt großen Gin Tonic, ohne Unbehagen oder Zittern.

Es ist jedoch recht windig an den Stränden rund um Corralejo und nicht immer warm genug, um gemütlich in der Sonne zu liegen aber das ist für mich kein Problem.Ich bin nicht zum Sonnenbaden hier, daher machen mir ein paar Wolken und Wind nichts aus.

Ich bin wegen des Atlantiks hier. Um genau zu sein, bin ich wegen der Wellen hier.

 

El Cotillo Surfing Fuerteventura

Ich bin wegen der Wellen und der Fuerteventura Surf School gekommen.

 

Fuerteventura ist nicht nur eine wunderschöne, vulkanische, sonnige Kanareninsel, sie hat den zusätzlichen Vorteil, in Sachen Surfen eine der Topadressen in Europa zu sein. Wilde Winde weit draußen auf dem Atlantik sorgen an der Westküste der Insel für eine Grundströmung, die zu großen, wundervollen Wellen führt.Für einen relativen Neuling wie mich können sie ehrlich gesagt ziemlich einschüchternd wirken.Ich hatte geplant, einfach ein Brett und einen Neoprenanzug zu leihen und es mal auszuprobieren, aber dann habe ich sie gesehen.

Ich möchte Surfstunden nehmen (d. h.:ich muss Surfstunden nehmen), also gehe ich zur Fuerteventura Surf School (eine neue Filiale der auf der Insel sehr beliebten Kailua Surf School) an der Calle Grandes Playas.Der Laden gehört Adan Ferreres, der mit jeder Faser genau die relaxte und freundliche Art ausstrahlt, die man von jemandem erwartet, der auf einer wunderschönen sonnigen Insel eine Surfschule betreibt.

Ich entscheide mich für einen dreitägigen Kurs für 120 € (ein Tag kostet 45 €). Der Unterricht geht jeden Tag von 10 bis 14 Uhr, Abholung vom Hotel/Apartment ist inbegriffen.Oder von meinem Stammcafé, wo ich am liebsten in der Morgensonne mit Kaffee, Croissant und Buch warte.

 

Surfing Fuerteventura

Das Croissant hat nicht lange genug überlebt, um aufs Foto zu kommen

 

Die Surfstunden finden immer dort statt, wo die Bedingungen an diesem Tag am besten sind, was häufig die wunderschöne und wilde Bucht von El Cotillo an der Nordwestküste der Insel ist. Mein Lehrer Massimo ist ein Italiener, wie er im Buche steht – freundlich und hinreißend –, der dem Klischee vom Surfer mit langem blondem Haar und blauen Augen zu 100 % entspricht.Ich frage, wohin wir fahren, und tatsächlich, Cotillo ist das Ziel.

In etwa 20 Minuten sind wir dort.Die Wellen sind hoch höher als die, die ich gestern gesehen habe und ich bin jetzt schon froh, dass ich mich für angeleitetes Surfen entschieden habe. Wir bringen unsere Sachen runter zum Strand, ziehen unsere Neoprenanzüge an und wärmen uns gründlich auf, bevor der trockene Teil des Unterrichts beginnt.Ich habe schon ein wenig Surferfahrung, also lässt Massimo mich ein paar Mal auf dem Sand aufstehen, um sich meine Technik anzusehen. Er gibt mir ein paar Tipps, bevor er mich ins Wasser schickt und noch etwas Zeit mit den anderen Leuten aus der Gruppe verbringt.Keiner von den anderen ist schon einmal gesurft, deshalb bekommen sie eine längere Einweisung am Strand, um die Grundlagen zu erlernen. Für mich wird es Zeit, mich in die Fluten zu stürzen…

 

El Cotillo Surfing Fuerteventura

Fuerteventura Surf School

 

Mein erster Tag zurück im Meer nach einer viel zu langen Pause ist wundervoll. El Cotillo ist fantastisch, die Sonne scheint, ich erwische (einige) Wellen und das Surffieber hat mich wieder voll gepackt.Es ist ein unglaubliches Gefühl, auf einer Welle zu reiten.Es ist auch völlig egal, dass ich dabei die Eleganz eines besoffenen, lahmen Elefanten habe oder für ein kurzes Erfolgserlebnis unzählige Fehlversuche brauche.Eigentlich wird das Erlebnis durch die Fehlversuche erst so richtig herrlich.Ich kann die morgige Stunde kaum erwarten.

An den nächsten beiden Tagen läuft es beim Surfen nicht so gut. Starke Winde peitschen die Wellen wild durcheinander, mein Körper ist erschöpft und ich habe das Gefühl, mehr Wasser zu schlucken als zu surfen.Massimo aber weiß, was zu tun ist. Geduldig gibt er mir Tipps und Ratschläge und, was am wichtigsten ist: neuen Mut, wenn der Frust mich überkommt.

 

El Cotillo Surfing Fuerteventura

Massimo beim Unterricht am Strand

 

Die beiden harten Tage haben mich nicht abschrecken können und ich miete für weitere zwei Tage ein Brett, als zum Glück die Wellen freundlicher werden, alles runder läuft und ich mich langsam wesentlich fitter fühle. Als Anfänger beginnt man am besten mit mindestens zwei Unterrichtsstunden, am besten noch mehr es gibt am Anfang vieles zu beachten, und es ist sehr hilfreich, wenn man von jemandem beobachtet wird, der jeden Fehler korrigiert.Für Anfänger, die den Dreh noch nicht ganz raus haben, sind ein oder zwei Stunden perfekt, um an der Technik zu feilen und eventuelle schlechte Angewohnheiten abzustellen.

Passen Sie auf.Es gibt ein paar Wahrheiten, die man über das Surfen wissen muss:

1) Bei guten Surfern sieht es viel einfacher aus, als es ist.

2) Es ist nicht einfach zu lernen.

3) Wer Yoga macht, viel schwimmt und gut in Form ist, hat es etwas einfacher.

4) Es ist trotzdem nicht einfach.

5) Große Wellen sind beängstigend und ermüdend.

6) Und sie machen einen Riesenspaß.Es macht überhaupt einen Riesenspaß.

7) Man lernt, Geduld zu haben.

8) All der Frust (und davon gibt es genug) lohnt sich allein für diese glorreichen Momente, wenn man eine Welle erwischt und darauf surft.

 

Es lohnt sich wirklich.Es gibt einen Grund, warum Surfer zu den entspanntesten, glücklichsten Menschen gehören, denen man begegnen kann.

Dee Murray

Dee Murray

Dee Murray hat ein sehr einfaches Reiserezept: Fantastische Orte besuchen, etwas Tolles unternehmen , lecker essen gehen, nach Hause fahren und darüber schreiben.

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